Seit 2004 letztes Update 01012026
Vision
NeXTstation – die andere Vision von Steve Jobs
Die NeXTstation gehört nicht direkt zur Apple-Geschichte – und doch ist sie ein zentraler Baustein davon. Sie stammt aus jener Zeit, als Steve Jobs Apple verlassen musste und mit NeXT Computer versuchte, den Computer noch einmal völlig neu zu denken.
Die NeXTstation war kein Rechner für den Massenmarkt. Sie war teuer, kompromisslos und elitär – konzipiert für Universitäten, Forschung und Softwareentwicklung. Und genau so fühlte sie sich auch an. Schwarz, kantig, schwer und völlig frei von jeder Verspieltheit. Kein Vergleich zu den bunten iMacs, die Jahre später folgen sollten.
Technisch war die NeXTstation ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht weit voraus. Das Betriebssystem NeXTSTEP war objektorientiert, stabil und elegant – Konzepte, die Apple erst viele Jahre später mit Mac OS X übernehmen sollte. Wer einmal mit NeXTSTEP gearbeitet hat, erkennt sofort die DNA von macOS: Dock, Services, klare Typografie, saubere Architektur.
Der monochrome MegaPixel-Monitor mit seiner hohen Auflösung war legendär. Schwarzweiß – aber gestochen scharf, ruhig und perfekt zum Arbeiten. Texte, Code und grafische Oberflächen wirkten präziser als auf vielen Farbdisplays jener Zeit. Farbe war hier nicht vorgesehen – Fokus war alles.
Im Alltag war die NeXTstation jedoch anspruchsvoll. Sie war laut, entwickelte viel Wärme und stellte hohe Anforderungen an Peripherie und SCSI-Geräte. Auch reparaturtechnisch ist sie kein einfacher Kandidat. Netzteile, proprietäre Anschlüsse und alternde Komponenten machen jede funktionierende NeXTstation heute zu etwas Besonderem.
Ich besitze mehrere NeXTstation-Systeme, darunter auch Modelle mit originalem Monitor. Der Betrieb ist nie ganz trivial. Bootmedien, SCSI-Konfigurationen und Ersatzteile verlangen Geduld – und ein gewisses Maß an Leidenschaft. Aber wenn eine NeXTstation läuft, dann spürt man sofort:
Das ist kein gewöhnlicher Computer.
Rückblickend war NeXT kein wirtschaftlicher Erfolg – aber ein technologischer Triumph. Ohne NeXT gäbe es kein Mac OS X, kein iOS und letztlich auch kein modernes Apple. Die Rückkehr von Steve Jobs zu Apple wäre ohne NeXT undenkbar gewesen.
In meiner Sammlung nimmt die NeXTstation deshalb einen besonderen Platz ein. Nicht, weil sie perfekt ist – sondern weil sie zeigt, wie radikal Steve Jobs dachte, wenn er keine Kompromisse eingehen musste.
Die NeXTstation ist kein Nostalgiegerät. Sie ist ein Manifest.